Ist in Teerpappe Asbest? Die kurze Antwort: nein
Teerpappe enthält keinen Asbest. Das sind zwei völlig verschiedene Materialien mit verschiedenen Bindemitteln und verschiedenen Gefahren. Trotzdem taucht die Frage ständig auf – und das aus einem nachvollziehbaren Grund.
Die Verwechslung passiert bei Wellplatten. Auf alten Dächern liegen oft beide Materialien nebeneinander oder übereinander: bitumengebundene Wellpappe (harmlos im Sinne von asbestfrei) und asbestzementhaltige Wellplatten, die als „Eternit“ bekannt sind. Beide sind gewellt, beide sind grau bis schwarz, beide sind spröde.
Der Unterschied ist gravierend: Bitumenwellplatten holen wir ab. Asbestzement nicht – dafür braucht es eine eigene Fachkunde nach TRGS 519.
Teerpappe
Steinkohlenteer, PAK-belastet. Gefährlicher Abfall, aber kein Asbest.
Bitumenwellplatte
Bitumen mit Zellulose-/Glasfaser. Asbestfrei, wir holen sie ab.
Asbestzementplatte
Zement mit Asbestfasern. Nicht anfassen, nicht brechen.
So unterscheiden Sie die drei Materialien
| Merkmal | Bitumenwellplatte | Asbestzementplatte |
|---|---|---|
| Gewicht | leicht, biegsam | schwer, starr |
| Oberfläche | bituminös, leicht klebrig bei Wärme | zementartig rau, matt |
| Bruchkante | faserig, dunkel durchgefärbt | hell, mineralisch, feine Fasern sichtbar |
| Klang beim Anklopfen | dumpf | hell, keramisch |
| Typisches Baujahr | durchgehend bis heute | bis 1993 (Verbot) |
| AVV | 17 03 02 bzw. 17 03 01* | 17 06 05* |
Wichtig: Keines dieser Merkmale ist ein Beweis. Sicherheit gibt nur eine Materialprobe im Labor. Wenn das Baujahr vor 1993 liegt und es sich um Wellplatten handelt, gehen Sie im Zweifel von Asbest aus.
Der Stichtag 1993
In Deutschland gilt seit 1993 ein Herstellungs- und Verwendungsverbot für Asbest. Alles, was danach verbaut wurde, ist asbestfrei. Bei Gebäuden aus den Jahren davor – und das sind in Berlin sehr viele – ist Vorsicht angebracht.
Achtung bei Sanierungen: Ein Dach von 1965 kann 1998 überdeckt worden sein. Oben liegt neues Material, unten das alte. Der Baujahrgang des Gebäudes sagt also nichts darüber aus, was in welcher Schicht steckt.
Was Sie bei Verdacht NICHT tun sollten
- Nicht brechen, sägen oder schleifen. Genau dabei werden Fasern freigesetzt. Intakte Platten sind vergleichsweise ungefährlich.
- Nicht mit dem Hochdruckreiniger säubern. Ein Klassiker bei der Dachreinigung – und einer der schlimmsten Fehler.
- Nicht in den Bauschuttcontainer werfen. Das kontaminiert die gesamte Ladung.
- Nicht selbst zur Deponie fahren. Für Transport und Übergabe gelten eigene Anforderungen.
Was zu tun ist
Lassen Sie eine Materialprobe untersuchen. Ein akkreditiertes Labor analysiert eine kleine Probe – das ist überschaubar im Preis und schafft Klarheit für das gesamte Projekt.
Bestätigt sich der Verdacht, gehört die Sanierung in die Hände eines Betriebs mit Sachkunde nach TRGS 519. Wir vermitteln Ihnen gern den Kontakt und übernehmen anschließend die Dachpappe und die bituminösen Anteile, sobald der Asbest raus ist.
Ehrlich gesagt: Das ist nicht unser Auftrag
Wir könnten Ihnen an dieser Stelle eine Asbestsanierung verkaufen. Wir machen es nicht – weil dafür eine eigene Fachkunde vorgeschrieben ist und weil unsauber ausgeführte Asbestarbeiten Menschen krank machen.
Was wir Ihnen anbieten: eine ehrliche Einschätzung, bevor jemand die Platten anfasst, und die fachgerechte Entsorgung von allem, was bituminös ist. Rufen Sie an, beschreiben Sie, was Sie sehen, oder schicken Sie ein Foto. Diese Auskunft kostet nichts.